Über mich und meine Arbeit als Rigger
Wie Bondage meine Leidenschaft wurde
Die ganze Wahrheit ist natürlich etwas vielschichtiger und lässt sich nicht mit ein oder zwei Sätzen beantworten. Ein außenstehender Beobachter sieht in Bondage zumeist nur ein sexuelles Spiel oder einen Fetisch, bei dem es darum geht, den Partner zu fesseln und zu unterwerfen. Aber Rope Bondage ist soviel mehr als das: eine Mischung aus vielen Komponenten, die das Spiel mit dem Seil erst zur Kunst machen. Die erste und wichtigste Komponente war für mich die handwerkliche Seite. Was heute so einfach und spielerisch aussieht, musste ich mir erst erarbeiten. Das Erlernen der unterschiedlichsten Knoten, verschiedenster Muster und ihre Wirkung untereinander,und vor allem auf der Haut und am Körper, war ein langer aufregender und manchmal auch etwas zermürbender Prozess.
Bondage spühren
Viele Selbstversuche vor dem Spiegel waren notwendig, um die Komplexität der Abläufe zu verinnerlichen. Es war ein tolles Gefühl, die Seile auf der Haut zu spüren und zu sehen wie die Muster, die ich vor meinem geistigen Auge sah, tatsächlich auf meiner Haut Gestalt annahmen. Aber nicht nur Knoten- und Knüpftechniken waren entscheidend, sondern auch eingehende Materialkunde. Es galt mit unterschiedlichsten Seilen zu experimentieren, um verschiedenste Bondage – Projekte optimal umsetzen zu können. Seile gibt es aus verschiedensten Materialien, und nicht jede Seilart ist für jede Bondagetechnik gleich gut geeignet. Auch das Gefühl auf der Haut ist bei natürlichen und synthetischen Seilen gänzlich verschieden. Eine weitere wichtige Komponente ist auch die Länge des Seiles. Wenn bei komplexen Knoten und aufwendigem Bondagen am Ende ein Meter fehlt, ist das höchst unerfreulich. Genauso unschön ist es aber auch, wenn das Werk eigentlich fertig wäre, sich aber noch zwei Meter Seil am Boden ringeln.

